
Am 14. Mai fuhr der Erwachsenenkreis des CVJM Berlin nach Wittenberg um der Spur Philipp Melanchthons nachzugehen.
Wer war dieser Philipp Melanchthon?In der Literatur gilt er als Lehrer Deutschlands, Reformpädagoge, bedeutender Humanist, großer Reformator, hochbegabter Intellektueller, Autor von mehr als 1500 Schriften unterschiedlichster Themenbereiche, Universitätsprofessor und nicht zu vergessen als Sprachengenie.
Luther bezeichnete ihn liebevoll als „Graeculus“, als „kleiner Grieche“ oder nicht so schmeichelhaft als Leisetreter, weil ihm in entscheidenden Verhandlungen Diplomatie und Kompromissbereitschaft wichtiger waren als markige Worte.
Ohne seine Sprachkunst wäre Luthers Bibelübersetzung ein zwar wortmächtiges, aber holprig zu lesendes Buch geblieben und ohne sein Formulierungsgeschick hätte die evangelische Bewegung kein gemeinsames Bekenntnis erhalten und wäre zersplittert.

Unser Stadtführer Michael Schicketanz alias Philipp Melanchthon ging mit uns einigen dieser Spuren nach und es gelang ihm vortrefflich, uns recht anschaulich den Reformator, Lehrer und Menschen Philipp Melanchthon näherzubringen
Wir begannen mit der Schlosskirche, in der Melanchthon 1518 seine Antrittsrede als Griechischprofessor hielt und seine Zuhörer faszinierte. Dort liegt er auch an der Seite Luthers begraben.
Eng verbunden mit dem Namen Melanchthon ist – neben Luther - der Name Lucas Cranach, der sowohl Melanchthon als auch Luther häufig bildnerisch darstellte, was unter anderem auf dem Altarbild des Reformationsaltars der Stadtkirche sichtbar wird.
Eine Hauptspur führte natürlich zur ehemaligen Universität Wittenbergs, die von Anfang an als Reformuniversität projektiert und eine der größten ihrer Zeit war.
Leider wird momentan das Wohnhaus Philipp Melanchthons umgestaltet und ist somit in diesem Jahr nicht zugänglich. Wir konnten es nur von außen betrachten.
Die Spurensuche in Wittenberg war für uns alle sehr interessant, äußerst informativ und kurzweilig – ein wirklich lohnenswerter Ausflug in den Geburtsort der Reformation.
Allerdings bin ich mir im Klaren darüber, dass diese Spuren nur einige Facetten von Melanchthons Persönlichkeit beleuchten konnten. Da geht es mir ähnlich wie Albrecht Dürer, der Melanchthon während dessen Aufenthalt in Nürnberg 1526 aus Anlass der Einweihung der 1. Melanchthon-Schule in Deutschland gezeichnet hat und sich nach der Begegnung mit ihm bewundernd wie folgt äußerte: „Die Gesichtszüge habe ich erfassen können, nicht aber den Geist Melanchthons“.